Urlaub USA
Nach unserer Ankunft in Louisville sind wir mit meiner Cousine Tricia, ihren Kindern und ihren Freunden und deren Kindern und dem 93er Lincoln von Onkel George fünf Stunden gen Süden gefahren und haben dort eine Woche in den Wäldern von Tennessee gezeltet. Danach ging es allein zu zweit über die Great Smokey Mountains den Blue Ridge Parkway hoch. Mit einer topologischen Karte kann man erkennen, dass der Blue Ridge Parkway Meilen weit um die Gipfel eines Gebirgskamms führt, der östlich der Apalachians liegt. Es ist das wahrscheinlich längste Naturschutzgebiet der Welt, über 400 Meilen lang, aber nur wenige Meilen breit.
Über den Freeway ging es dann quer durch North Carolina auf die Outer Banks. Weite Teile dieser Inseln sind unter Naturschutz gestellt, so dass man dort, abgesehen von einem ab und zu eingestreuten Campingplatz und einer Dusche am Strand, nur links die Salzmarschen und das Binnenmeer und rechts die Düne und den Atlantik sieht. Vom Emerald Isle im Süden über Nag Head im Norden geht unsere Tour, die wir in Virginia Beach abschliessen wollten. VB ist allerdings im Kontrast zu den Banks so ballermannisch touristisch, dass wir uns entschliessen die Küste einen Tag eher zu verlassen und uns zurück in Richtung Louisville bewegen.
Eine vermeintliche Abkürzung über die Landstrasse führt uns durch den Hinterwald von North Carolina und beschert uns eine Durchfahrt durch Richmont bei Nacht. Richmont ist eine der älteren Städte Nord Amerikas und hat somit ein europäisch angehauchtes Stadtbild und nächtens eine schöne Skyline. Die Abkürzung kostet uns also Zeit, bringt uns aber unerwartet mehr Urlaub. Gut so. Zurück in Louisville verbringen wir unsere restlichen Tage mit typisch amerikanischen Aktivitäten, Erkunden der Malls, Baseball und Holiday World Themepark, Grillen bei Tante Doris auf dem Land und abendlichem Skateboard fahren auf den Parkplätzen der Highschools.
Beim Rasenmähen verknaxe ich mir noch den Rücken, den mir ein Chiropraktiker zwei Stunden vor dem Abflug noch einrenkt, so dass der eingequetschte Rückflug gerade noch erträglich ist.
Viele Cliches und Vorurteile und Stereotypen bestätigen
sich, jedoch wird im Kontext an einigen Stellen klar, warum Land
und Leute so sind wie sie sind. Die US Amerikanische Gesellschaft
ist sehr Auto zentriert und folglich ist die Infrastruktur so
angelegt, dass man zum Beispiel nicht zu Fuss vom Supermarkt
rüber in die Buchhandlung kann. Es ist zwar eine Ampel, aber
kein Fussgängerüberweg da. Da wird dann plausibel, dass
Leute beim Campen in der Hitze mit dem Auto vom Zelt zur Dusche
fahren. Den selben Weg mit dem Skateboard zurück zu legen ist
hingegen verboten und diese Regel wird auch im Gegensatz zum
europäischen fünf gerade sein lassen auch vom
lokalen Zeltplatzbüttel enforced. Its the law.
Unter den siebzig Fernsehkanälen finden sich genau zwei
Nachrichtensender, CNN und FOX. Jeder der den Namen Murdoch kennt,
kann sich ausdenken welcherartige Information man dort vorgesetzt
bekommt. Hurricane Dennis und der War against Terror und eine
Umfrage ob Karl Rove denn nun seinen Job verlieren soll, weil er
angeblich aber unbewiesen den Namen eines CIA Agenten ausgeplaudert
hat. Informationen über den ROW, den Rest of the World bekommt
man einfach nicht, es sei denn in London gehen ein paar Bomben
hoch, das passt nur zu gut ins Konzept. De fakto gibt es keine
Nachrichten im Fernsehen. Wer sich informieren will muss sich
andere Quellen suchen. Die breite, träge Masse ist so also gut
ruhig gestellt.
Entgegen allen Vorurteilen kann man sich in den USA auch gut und
schmackhaft ernähren, wenn man nur will. Niemand zwingt einen
ständig in die zahlreichen Fast Food Läden zu gehen und
z.B. mit Subway gibt es auch Ketten, deren Angebot zumindest OK
ist. Im Gros ist das Futter dort für meinen Geschmack
allerdings zu süss und zu fettig. Ein paar Dinge können
sie einfach nicht, so z.B. Schokolade, Kaffee und insbesondere
Brot. Mann, habe ich mich gefreut hier Zuhause meine Beisserchen
mal wieder in ein ordentliches Körnerbrot zu kloppen.
Ein paar Dinge gefallen mir drüben deutlich besser als in der
Heimat. Die Leute sind beim Erstkontakt meistens höflich und
freundlich. Das wird als amerikanische Oberflkächlichkeit
abgebürstet, zu unrecht finde ich. Ich halte höfliche
Umgangsformen prinzipiell für richtig. Das Autofahren ist dort
viel viel viel entspannter. Das kommt sicherlich auch von den
Automatikschaltungen und daher dass die dort viel mehr Platz haben,
aber ich denke auch, dass denen das mehr beigebracht wird, defensiv
zu fahren. Als dritter wesentlicher Punkt ist mir aufgefallen, dass
die Amis viel besser und natürlicher mit Kindern umgehen.


